Der Familienname Federle

Für die Erklärung des Familiennamens stehen zwei Bedeutungsmöglichkeiten zur Auswahl.

1.      Der Name kann als so genannter Berufsübername für eine Person erklärt werden, welche auf verschiedene Art und Weise mit Federn zu tun hatte. In erster Linie ist hier der Federhändler zu nennen. Federn wurden im Mittelalter in vielen Bereichen benötigt. Aus Gänsefedern stellte man Schreibfedern, die so genannten Gänsekiele her, die bis zur Erfindung der Schreibfedern aus Metall das vorherrschende Schreibutensil waren. Zwar wurden auch Federn anderer Vögel verwendet, Gänsefedern waren aber für den alltäglichen Gebrauch in den Kanzleien und Klöstern bzw. Gelehrteneinrichtungen am besten geeignet. Der Familienname Federle kann daher als Berufsbezeichnung für den Händler oder Hersteller von Schreibfedern (mittelhochdeutsch vëdere, vëder) verstanden werden. Auch Händler von Bettfedern werden als Feder(le) bezeichnet.

An das Wort „Feder“ wurden im Zuge der Familiennamenbildung zahlreiche Endungen angefügt, die auf die regionale Herkunft verweisen. Eine alte südwestdeutsche Besonderheit ist das Suffix –lin, von dem das auslautende –n später abgefallen ist.  Aus dem alten Federlin wurde Federli.  (Auszug aus dem Namensgutachten der Universität Leipzig).

2.      Nach den Forschungen unseres Vetters Siegfried Federle soll unser Name von Vater und nicht von Feder abgeleitet sein (mittelhochdeutsch: vaterlîn, veterlîn „Väterlein, Väterchen“). Als Beweis führt er u.a. drei Urkunden der Stadt Kaufbeuren an:

1319 Witwe Heinrichs des Vaters, 1339 Ulrich Vaetter, 1341 Ulrich Vaetterlin

(Richard Dertsch: Die Urkunden der Stadt Kaufbeuren 1240 – 1500, Augsburg 1955).

1150 erscheint in einer Urkunde des Bischoffs von Eichstätt der Name „Uodalricus Veterlin“. Im Urkundenbuch der Zisterzienserabtei Salem erscheint von 1210 bis 1295 eine Patrizierfamilie „Federli, Vederli und Vederlin“. In der Reichstadt Ulm ist 1292 ein Cuonrad Vaeterlin beurkundet. Zu dieser Familie gehörte wohl auch der im „Ulmischen Urkundenbuch“ 1395 letztmals erwähnte Georg Väterlin. In den Lehensbüchern des Reichstiftes Kaisheim erscheint in den Jahren 1375 bis 1390 der Name Vetterlin und Veterlin - in einem deutschsprachigen Kaufbrief aus Leipheim aber Federlin geschrieben.

Bei der Schreibweise „Federlin“ blieb es durch die nächsten drei Jahrhunderte. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde – und zwar unabhängig voneinander in allen Linien unseres Geschlechts – der Name Federlin z.T. über Federlen zu Federle. (Das scheint die schwäbische Schreibweise zu sein, denn bei den Schwaben wird vor n das i zu e „gesenkt“. So heißt es im Schwäbischen auch nicht Kind, sondern Kend.) Man findet den Nachnamen „Federlin“ aber noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung eines weiblichen Mitglieds unserer Familie.

Eine Besonderheit in unserer Familie ist, dass es – bei einer engen Verwandtschaft – zwei Namensvariationen gibt: eine mit kurzem und eine mit langem ee, nämlich  Federle – Feederle. Erster Namensträger des Namens Feederle ist Mathäus Feederle (1696 – 1782). Er war Oberjäger in Diensten der Fürsten von Fürstenberg und erhielt auf Grund seiner Verdienste den Titel „Forstmeister“. Anscheinend wollte er sich von seiner bäuerlichen Verwandtschaft etwas abheben und fügte seinem Namen in der Silbe ein zweites „e“ hinzu.

Im heutigen Sprachgebrauch versteht man unter dem Wort „Federle“ – besonders im südwestdeutschen Sprachraum – eine kleine Feder aus dem Federkleid eines Vogels. Es kann sich aber auch um ein metallenes technisches Bauteil handeln, das sich elastisch verformen lässt.

PS
Weitere Hinweise siehe auch Federle Buch von 2011, Seiten 6 - 9